Vegetarismus in den Weltreligionen
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Der Buddhismus
"Alle Lebewesen fürchten den Tod und Schmerzen,
Leben ist allen das nächste; deswegen tötet ein
Weiser nicht, noch ist er die Ursache davon, daß ein
Lebewesen getötet wird." (Dhammapada, 129-130)
Auch im Buddhismus gibt es das Problem des Gegensatzes zwischen
ursprünglicher Lehre und gegenwärtiger Praxis. Man
kann heute Buddhisten beim Fleischhauer antreffen oder Fleisch
in ihren Klöstern essen sehen. Es gibt aber auch Minoritäten
wie die Cao Dai-Bewegung in Südvietnam oder japanische
Zen-Buddhisten, bei denen jeglicher Fleischkonsum untersagt
ist. Das mag unwesentlich erscheinen und nur auf verschiedenen
Traditionen bzw. Interpretationen buddhistischer Prinzipien
beruhen - aber ist es tatsächlich nur Auslegungssache,
oder gibt es ein eindeutiges Gebot?
Der Ursprung
Wie beim Christentum gibt es auch im Buddhismus ein Problem
- Buddha schrieb, so wie Jesus, seine Lehren nicht selbst
nieder. Er gab seine Anweisungen mündlich an seine Anhänger
weiter und erwartete, daß sie sie unverfälscht
weitergeben würden. Da aber schon unter der ersten Generation
von Anhängern verschiedene Auffassungen bestanden, gibt
es auch heute unterschiedliche und einander widersprechende
Doktrinen.
"Wenn ihr mich schon während meines Lebens
widerlegt, was wird dann erst nach meinem Tod passieren?"
Über die beiden Grundsätze der Weisheit
und des Mitleids mit allen Lebewesen sind sich aber
alle Richtungen einig. Maha-prajna (große Weisheit)
und maha-karuna (großes Mitleid) sind sogenannte
"Säulen des Buddhismus".
Diese "große Mitleid" bezog sich auch auf
Tiere, aber auch Buddha machte Konzessionen. Das Essen von
Fleisch ist nur unter folgenden Umständen verboten:
- wenn der Gläubige selbst beim Töten des Tieres
zusieht
- wenn er bei der Schlachtung zustimmt
- wenn er weiß, daß das Tier speziell für
ihn getötet wurde
Auf diese Konzessionen beziehen sich fleischessende Buddhisten,
aber gibt man nicht durch das Annehmen von Fleisch zu verstehen,
daß man mit der Schlachtung einverstanden war? Immerhin
verursacht der Konsum Nachfrage, was sich wieder in einem
erhöhten Angebot niederschlägt.
Die Verbreitung
Mit der Verbreitung des Buddhismus entwickelte sich auch
eine neue Interpretation des "ahimsa-Prinzips".
Ahimsa bedeutet "nichts zu tun, was anderen
Leid bringt". Ein Umgehen dieses Prinzips fand sich mit
der Auslegung, daß die Absicht bzw. die Vorsätzlichkeit
über der Handlung selbst steht - und mit dieser Begründung
wurden mehr und mehr Handlungen gerechtfertigt, die dem buddhistischen
Grundsatz, das Zerstören von Leben zu vermeiden, verletzen.
"Zum Zwecke der Reinheit sollte der bodhisattva
(jemand, der auf die eigene Erleuchtung zugunsten der Befreiung
anderer Lebewesen verzichtet) sich vom Essen von Fleisch enthalten,
das aus Samen, Blut etc. geboren ist. Aus Furcht davor, anderen
Lebewesen Schrecken einzuflößen, soll der bodhisattva,
der sich darin diszipliniert, mitleidsvoll zu handeln, auf
Fleisch verzichten." (Mahayana)
"Alle Lebewesen fürchten den Tod und Schmerzen,
Leben ist allen das nächste; deswegen tötet ein
Weiser nicht, noch ist er die Ursache davon, daß ein
Lebewesen getötet wird." (Dhammapada 129-130)
"... es ist nicht wahr, daß Fleisch geeignete
Nahrung ist und erlaubt ist, wenn das Tier nicht von ihm selbst
getötet wurde, wenn er nicht andere angewiesen hat, es
zu töten und wenn es nicht speziell für ihn gedacht
war. Doch werden in der Zukunft einige Menschen kommen, die
unter dem Einfluß von Fleischgeschmack verschiedene
Arten von Argumenten verbinden werden, um das Essen von Fleisch
zu verteidigen. Fleischessen ist jedoch in jeglicher Form,
auf jegliche Weise und an jedem Ort bedingungslos und ein
für alle Male verboten. Ich habe es niemals jemandem
erlaubt, ich erlaube es nicht und ich werde es nicht erlauben;
es ist bedingungslos für alle verboten ..." (Lankavatara-Sutra)
Historisch gesehen wurde früher dieser Respekt für
alle Geschöpfe von den Buddhisten und den Jain-Mönchen
im alltäglichen Leben zur Schau gestellt, so durchsiebten
sie sogar ihr Wasser vor dem Trinken, um das versehentliche
Töten von Insekten zu vermeiden. Frühe Biographen
schreiben, daß Buddha selbst den Wunsch nach dem Essen
von Fleisch als "unwissendes Verlangen" (trishna)
bezeichnete.
Bis zur Zeit von Kaiser Asoka (auch: Ashoka) war der Buddhismus
nicht sehr verbreitet (268 - 263 v. Chr.). Asoka gewährte
dem Buddhismus staatliche Unterstützung und schickte
buddhistische Missionare in alle Teile Indiens sowie nach
Griechenland, Syrien, Ägypten und Ceylon, von wo sich
die Lehre dann auch nach Burma, Thailand und in Teile Indochinas
verbreitete. Obwohl Asoka selbst ein vorbildlicher Vertreter
der buddhistischen Lehre war und für die generelle Achtung
von Leben eintrat (so verbot er z.B. das Schlachten und Opfern
von Tieren), war mit seinem Tod auch die Glanzzeit des Buddhismus
in Indien vorbei.
Nach Asokas Tod gelangte der Buddhismus auch nach China,
wo schon überwiegend vegetarische Ernährungsweise
vorherrschte, und nach Japan, wo bis dahin der Shintoismus
vorherrschend war. In den Anfängen des Shintoismus war
es noch ein Tabu, Fleisch zu opfern, und Mönche, die
Fisch aßen, wurden als "unheilige Mönche,
die nach rohem Fisch stinken" bezeichnet - mittlerweile
sind die Japaner ein Volk von begeisterten Fisch-Essern.
Der Buddhismus in den vedischen Schriften
Das Erscheinen Buddhas wurde schon lange Zeit vorher in den
Veden vorausgesagt. Im Srimad Bhagavatam, der spirituellen
Geschichtsschreibung des Universums, die vor 5000 Jahren niedergeschrieben
wurde und als Krönung der geistigen Literatur Indiens
gilt, heißt es folgendermaßen:
"Zu der Zeit, als Buddha erschien, waren die meisten
Menschen atheistisch und zogen Tierfleisch jeder anderen Nahrung
vor. Unter dem Vorwand, vedische Opferungen auszuführen,
verwandelten sie nahezu jeden Ort in ein Schlachthaus, in
dem ohne Einschränkung Tiere getötet wurden. Buddha
predigte Gewaltlosigkeit, weil er Mitleid mit den hilflosen
Tieren hatte."
"Buddha erschien, um ahimsa (Gewaltlosigkeit)
für alle Lebewesen durchzusetzen. Die Buddhistische Philosophie
beruht darauf, daß man Schmerz, den man selbst fühlt,
keinem anderen Lebewesen zufügen soll. Er wollte einfach
das Schlachten von Tieren abschaffen. Solange man nicht mit
der Sünde, Tiere zu schlachten, aufhört, hat man
keinerlei Möglichkeit, spirituellen Fortschritt zu machen."
ahimsa
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß ahimsa,
oder das Respektieren von allem Lebenden, nicht nur eine zentrale
Säule des Buddhismus, sondern des gesamten östlichen
Gedankenguts ist. Tatsächlich war die Durchsetzung von
ahimsa der Hauptgrund für Buddhas Erscheinen.
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