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Judentum
"Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der
ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen
Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen" (!:29,
Genesis)
Das heutige orthodoxe Judentum lehrt Vegetarismus zwar nicht
als ein von der Heiligen Schrift gestütztes Prinzip,
doch ist dies nich verwunderlichen, wenn man bedenkt, daß
"jede Generation von Juden ein schlechteres Verständnis
der Thora hat, als die vorhergehende" (Traktate Berakhot,
20a, Talmud Bavli).
Schon zur Zeit Noahs nahm die Moral (nicht nur in Bezug auf
die Ernährung) deutlich ab.
Als die Israeliten Ägypten verließen, gab ihnen
Gott manna, eine vegetarische Kost, die ihnen jedoch zu langweilig
wurde. Als die Israeliten sich stattdessen Fleisch wünschten,
kam dieses dann in Form von Wachteln, doch wurden sie gleich
darauf mit einer fürchterlichen Seuche geschlagen.
In der Thora gibt es viele Stellen, die auf die Achtung dem
Tier gegenüber hinweisen, z.B.
- daß nicht ungleich starke Tiere beim Pflügen
verwendet werden sollen (Deut, 22:10)
- Tiere sich am Sabbath ausruhen dürfen (Exodus 23:12)
- Tiere vom Menschen gefüttert werden sollen, bevor er
selbst ißt (Talmud)
Im Sefer Chasidim (das Buch der Frommen) wird dieses Thema
wie folgt erwähnt:
"Sei freundlich und barmherzig zu allen Geschöpfen
des Höchsten, die er in dieser Welt geschaffen hat. Schlage
niemals ein Tier oder sei die Ursache für Schmerzen für
jegliches Tier. Wirf nicht mit Steinen auf Hunde oder Katzen,
noch solltest Du Fliegen oder Wespen töten."
In diesem Sinne handelten auch viele Helden der jüdischen
Geschichte und wurden auch aus diesem Grunde von Gott auserwählt.
So sagte Gott Moses voraus, daß er der Schafhirte des
israelischen Volkes sein werde, weil dieser einmal Mitleid
für ein Lamm gezeigt hatte. "Du, der Du Mitleid
mit einem Lamm hast, wirst der Schafhirte meines Volkes Israel."
(Exodus Rabbah 2, Midrash)
Rebekka wurde als Isaaks Frau auserwählt, weil sie Mitleid
mit durstigen Kamelen hatte.
Die Thora macht auch keinen Unterscheid zwischen einer tiereischen
und einer menschlichen Seele. Der hebräische Ausdruck
für Tiere "nephesh chayah" kommt im Alten Testament
ungefähr 400mal vor, die Übersetzung davon ist "lebende
Seele". So wird auch die Genesis-Passage 2:7 übersetzt,
wo beschrieben wird, wie Gott den menschen den Odem des Lebens
eingab. Aus Genesis 7:15,22 ist ersichtlich, daß Tiere
den gleichen "Odem des Lebens" haben wie Menschen.
Ein weiterer hebräischer Begriff für Geist bzw.
Seele befindet sich im Neuen Testament: "ruach",
und er ist ebenfalls für Menschen und Tiere gebräuchlich
(Prediger 12:7)
In griechischen Texten wird das Wort "psyche" in
gleichberechtigter Weise für alle Lebewesen gebraucht
(Offenbarung 16:3)
Der Verfall und die edenischen Ideale
Im Verlauf der 1300 Jahre, in denen die Schriften der Thora
entstanden sind, wurde von Propheten immer wieder versucht,
Israel auf den Weg zu Gott zu führen.
Hesekiel schildert das Ideal, das Gott vom Menschen fordert
und verurteilt gleichzeitig den Abfall vom Glauben ebenso
wie die fleischliche Ernährung (Hes. 16:19-23)
"Die Nahrung, die ich Dir gab - mit Feinmehl, Öl
und Honig nährte ich dich -, das hast Du Götzen
geopfert. Du hast deine Söhne und Töchter die du
mir geboren hast, genommen und ihnen Schlachtopfer zum Essen
vorgesetzt. War dir dein unzüchtiges Treiben noch nicht
genug? Mußtest du auch noch meine Söhne schlachten,
um sie ihnen darzubringen und für sie durch das Feuer
gehen zu lassen?"
Hesekiel spricht auch von den Strafen für das Volks,
das die Reaktionen auf seine Handlungen erwarten muß
(Hes. 16:40,41)
"Sie berufen eine Volksversammlung gegen dich ein, steinigen
dich und hauen dich mit ihren Schwertern in Stücke ....
Weil du die Tage deiner Jugend vergessen und mich durch dein
Treiben gereizt hast, darum lasse ich dein Verhalten auf dich
selbst zurückfallen."
Die von Gott gewünschte Lebensweise (die "edenischen
Zustände"), war Friede, Mitleid und Barmherzigkeit
mit allen Kreaturen.
"Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine
neue Erde und an das frühere wird man nicht mehr denken,
und es wird nicht mehr in den Sinn kommen ... sie werden Weinberge
pflanzen und ihre Frucht essen, Wolf und Lamm werden zusammen
weiden; und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind.
man wird nichts Böses und nichts Schlechtes tun auf meinem
ganzen heiligen Berg, spricht der Herr." (Jesaja 65:17.21.25)
Ein weiteres Beispiel ist die Geschichte von Daniel, der
von König Nebuchadnezzar von Babylonien eingekerkert
wurde und dem reichhaltige Speisen inklusive Wein und Fleisch
vorgesetzt wurden. Daniel wollte jedoch nur Wasser und Gemüse
und schickte den Diener des Königs zurück.
"Bring uns das für 10 Tage und urteile dann selbst.
Wir werden sicherlich weiser und stärker als diejenigen
sein, die die Nahrung des Königs essen. Wenn nicht, kann
der König mein Leben nehmen."
Nach zehn Tagen war der Diener von Daniels Aussagen überzeugt.
(Es war derselbe Daniel, der später vor Löwen geworfen,
von ihnen jedoch nicht berührt wurde, was darauf hindeutet,
daß seine vegetarische bzw. mitleidvolle Natur selbst
von Löwen erkannt wurde)
Von Rav Zsuya von Anapole steht geschrieben, daß er
gefangene Vögel zu kaufen pflegte, um sie wieder der
Freiheit zu übergeben.
Der Talmud (Eruvin 100b) sieht in Tieren nicht nur unschuldige
Lebewesen, die dem Menschen auf vielfache Weise dienen, sondern
von denen der Mensch auch lernen kann:
"Wäre den Juden nicht die Thora gegeben worden,
würden wir Anspruchslosigkeit von Katzen lernen, gute,
ehrliche Arbeit von dem Ameisen, Reinheit von den Tauben,
sowie Galantheit vom Hahn, deshalb sollten Tiere geachtet
werden."
Wie kommt es zu den Tieropfern in der jüdischen Religion?
Gemäß dem jüdischen Philosophen Moses Maimonides
(1135-1204) war das Auftreten von Tieropfern nichts anderes
als ein Ersatz für eine zuvor weitverbreitete Gepflogenheit:
Kinderopfer!
Mit anderen Worten sollten Tieropfer das noch größere
Übel des Mordens von Kindern ersetzen. So schreibt Jeremia
dazu in 32:35: "Sie errichteten die Kulthöhe des
Baal im Tal Ben-Hinnom, um ihre Söhne und Töchter
für den Moloch ins Feuer gehen zu lassen. Das habe ich
ihnen nie befohlen, und niemals ist es mir in den Sinn gekommen,
solche Greuel zu verlangen und Juda in Sünde zu stürzen."
Diese Kinderopfer waren also noch bis in die Königszeit
in Israel und Juda üblich.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich dann die jüdischen
Ernährungsgesetze, kashrut, die vorwegnehmen, daß
fleischliche Nahrung lediglich ein Kompromiß ist, und
nur Früchte, Gemüse, unverarbeitetes Getreide etc.
ohne Vorbehalt kosher sind; Fleisch dagegen ist von Natur
aus zwar nicht kosher, doch erklären die teilweise sehr
komplizierten kashrut- und schechitah-Gesetze, wie man es
kosher bzw. rein machen kann.
Was genau ist mit "humanem" Schlachten gemeint?
Die gängige Praxis beim rituellen Töten von Rind
z.b. ist die, daß das Tier in die sogenannte "Weinberg-Vorrichtung"
kommt, die soweit gedreht wird, bis das Tier mit dem Kopf
nach unten eingepfercht hängt, dann wird bei gestrecktem
Hals die Kehle durchgeschnitten.
Bis zum Bewußtseinsverlust vergehen dabei gem. Untersuchungen
der RSPCA (der englischen königlichen Gesellschaft für
Verhinderung von Grausamkeit an Tieren) zwischen 17 Sekunden
und 6 Minuten - eine Ziet, in der as Tier offensichtlich fürchterliche
Todesqualen erleiden muß.
Abgesehen davon, daß sogar die heutige Tierhaltung teilweise
schon in den Bereicht von Folter fällt, gibt es sicherlich
kein "humanes" Schlachten.
Was ist kosheres Fleisch und wie kommt es dazu?
Die strikten Gesetze (schechitah, kashrut) bezüglich
der Ernährung sollten ursprünglich vor allem dazu
dienen, dem Tier zumindest so wenig als möglich Schmerzen
zuzufügen. Wenn man eine Stufe weiterdenken würde,
wäre es nicht so schwierig zu verstehen, daß man
dem Tier natürlich gar keinen Schmerz zufügt, wenn
man es am Leben läßt.
Für diejenigen, die es nicht lassen können, Fleisch
zu essen, gibt es koshere Gesetze:
Da im Blut Bewußtsein oder Lebenskraft enthalten ist,
sollte das Fleisch, das gegessen wird, ohne Blut sein. Dazu
muß das Fleisch zuerst im Wasser gewaschen werden, bis
kein Blut mehr sichtbar ist, danach wird es gesalzen.
Die Gefäße, in denen das Fleisch gekoshert wird,
können für keine andere Nahrungszubereitung mehr
verwendet werden. Das Wasser muß so abrinnen können,
daß das Salz sich nicht völlig auflöst, das
fleisch darf nicht zu trocken sein, sonst würde das Salz
ebenfalls seine Wirkung, das Blut aus dem Fleisch zu ziehen,
verlieren. Das Fleisch muß außerdem mindestens
eine Stunde im Salz bleiben und das Wasser darf werder zu
kalt noch zu heiß sein. Nach dem Salzen muß das
Fleisch wieder dreimal gewaschen werden. Wenn das Fleisch
dann nach diesen langwierigen und komplizierten Prozeduren
schließlich auf den Tisch kommen soll, darf es weder
zusammen mit Milchprodukten gekocht noch gegessen werden (Ex.
34:26), außerdem müßte man zumindest sechs
Stunden warten, bevor man dann wieder Milchprodukte zu sich
nehmen darf.
Abgesehen von der Grausamkeit des Schlachtens ist das Groteske
am "kosheren" Fleisch, daß das Blut zwar aus
den Arterien entfernt werden kann, nicht aber aus den Kapillaren,
wo es in verdichteter form zurückbleibt.
Am jüdischen "Tag der Buße" (Yom Kippur)
fasten alle Juden, die dieses Fest einhalten, und versuchen,
durch Gebete Gottes Barmherzigkeit zu erlangen. Bei diesem
Fest werden in den Synagogen auch keine Lederschuhe erlaubt.
Der Grund ist, daß man nicht erwarten kann, Gottes Barmherzigkeit
zu bekommen, wenn man selbst kein Mitgefühl gegenüber
anderen Lebewesen zeigt.
"Ich werde eure vielen Gebete nicht hören, weil
eure Hände voller Blut sind" (Jesaja 1.15)
Es scheint, als würde sich die jüdisch-religiöse
Tradition in machen Belangen durch dogmatisches Befolgen von
Ritualen kennzeichnen, deren Gültigkeit jedoch zeitlich
und umständehalber bedingt war.
Doch es gibt unter den jüdischen Denkern auch einige
überzeugte Vegetarier:
der Kabbalist Isaac Luria, Isaac Arama, Joseph Almo, Rav
Kook (Verfasser von "Vegetarismus und Friede"),
Shlomo Ghoren (der frühere Oberrabbiner Israels), Martin
Buber (Philosoph), Isaac Bashevis Singer (Literaturnobelpreisträger
1978), Shmuel Yoseph Agnong (ebenfalls Nobelpreisträger),
Shear Yashuv Cohen (Oberrabbiner von Haifa), Rabbi David Rosen
- und immerhin ca 4% der jüdischen Bevölkerung.
Bleibt zu hoffen, daß diese Minderheit sich durchsetzt
und das ursprüngliche vegetarische Ideal der Thora wiederherstellt.
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