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BSE (Bovine Spongiforme Encephalopathie), Rinderwahn

Datenbank Tierversuche
Die Datenbank Tierversuche ist ein Projekt zweier Tierschutz-Verbaende. Sie informiert ueber Versuche, die an deutschen Universitaeten an Tieren durchgefuehrt wurden.

 

News & Berichte

Geschichte des Rinderwahns


18.Jhdt
Bei Schafen ist seit dem 18. Jahrhundert die Traberkrankheit (engl. Scrapie) bekannt. Sie hat bei den Schafen die gleiche Symptome wie BSE bei den Rindern. Durch Verfütterung von ungenügend erhitztem Tiermehl von erkrankten oder an Scrapie vertorbenen Schafen an Rinder konnte der Erreger wahrscheinlich die Artengrenze zu den Rindern überwinden.

1978
In diesem Jahr wurde auf Druck der Tierfutterhersteller die bis dahin verpflichtende präzise Kennzeichnung bzw. Inhaltsangabe von Tierfutter durch die EU erheblich aufgeweicht. Ab diesem Zeitpunkt mussten nur noch ganz allgemein Kategorien für die Inhalte angegeben werden, sodass die Bauern nicht mehr darüber informiert waren, was genau sich im Tierfutter befindet.

1984/1985
Ende des Jahres 1984 wurde diese Erkrankung das erste Mal von einem Tierarzt in West Sussex in England bei einer Kuh beobachtet. Das Tier verstarb am 11. Februar 1985. Im späteren Verlauf wurden weitere Tiere mit diesen Symptomen registriert. Die betroffenen Tiere zeigten sich ungewöhnlich aggressiv und litten unter schweren Störungen ihrer Körperkoordinationen. Sie konnten ihre Gliedmaßen nicht mehr kontrollieren, stürzten ständig und verstarben nach kurzer Zeit. Als zahlreiche weitere Tieren an der gleichen neuen Krankheit verstarben, wurden die Kadaver im Central Laboratory in Weybridge nahe London untersucht. Im Gehirn der Tiere zeigte sich ein massenhafter Untergang von Nervenzellen. Diese "Löcher" im Hirngewebe erinnern unter dem Mikroskop an einen Schwamm. Deshalb wurde der Rinderkrankheit der Name Bovine Spongiforme Encephalopathie (BSE) gegeben. In den Medien wurde die neue Krankheit verkürzt als Rinderwahn bezeichnet.

1987 - Entdeckung des Erregers
Auf der Suche nach dem Erreger wurde eine besondere Form von Eiweißen entdeckt, die sogenannten Prionen. Es handelt sich dabei im Prinzip um körpereigene Eiweiße, die jedoch erhebliche strukturelle Veränderungen aufweisen. Es stellte sich heraus, dass Prionen auch bei anderen seltenen Krankheiten bei Tieren und Menschen eine Rolle spielen. Dazu gehören die Traberkrankheit bei Schafen und die Bovine Spongiforme Encephalopathie (BSE) beim Rind. Beim Menschen wurden bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die über Rinder übertragene nvCreutzfeld-Jakob-Krankheit, Kuru, dem Gerstmann-Sträussler-Syndrom und der Fatal Familial Insomnia (FFI) Prionen gefunden. Da diese veränderten Eiweiße (Prionen) all diesen Erkrankungen zu Grunde liegen, fasst man sie neuerdings unter dem Begriff Prionenkrankheiten zusammen. Der Neurologe Stanley Prusiner erhielt 1997 für die Aufstellung einer Theorie über die Natur der Prionenkrankheiten den Nobelpreis für Medizin. Erste Hinweise verdichten sich, dass Tiermehl die Prionen übertragen könnte

1988
Die britische Regierung verbietet die Fütterung von Tiermehl an Wiederkäuer, der Export bleibt aber erlaubt

1990
Die EU führt eine Meldepflicht für BSE Fälle ein. Aus einzelnen Fällen entwickelte sich schnell eine Epidemie. Bis 1996 verendeten innerhalb eines Jahres alleine in Großbritannien 170.000 Rinder. Doch auch außerhalb Europas traten, bedingt durch den weitreichenden Tierhandel, Erkrankungsfälle auf.

Juni 1994
Die EU erlässt ein Verbot zur Verfütterung von Tiermehl an Wiederkäuer, also Rinder und Schafe. Dieses Verbot wurde von der EU-Kommission unter dem Aktenzeichen 94/381/EG am 27. Juni 1994 erlassen. In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Verfütterung bereits am 18. März 1994 mit einer Änderung der Viehverkehrsverordnung verboten. Die Verfütterung an andere Tiere blieb aber weiterhin erlaubt.

1995 Der erste Patient stirbt an nvCJD, der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die vermutlich durch den Konsum von Rinderprodukten auf den Menschen übertragen wird.

1996
Am 20. März 1996 erklärte der britische Gesundheitsminister Dorrell, es gebe eine neuartige Form einer sonst seltenen Hirnerkrankung. Angesichts der Ähnlichkeit der Symptome zwischen der bei Menschen auftretenden Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und BSE müsse von einer Übertragung des unbekannten Erregers zwischen Rind und Mensch ausgegangen werden. Die EU verhängte ein Verbot für den Export britischer Rinder. Tiermehl musste von nun an mit einer Temperatur von 133°C unter einem Druck von 3 bar 20 Minuten lang sterilisiert werden.
Die Übertragung des Erregers von Kühen auf den Menschen wird aus folgenden Gründen angenommen:
Anders als bei der "normalen CJD" tritt diese Krankheit auch bei jungen Menschen auf.
Bei dieser Erkrankungsform treten zuerst psychische Veränderungen auf.
Die Form der veränderten Prionen ähnelt der der BSE-Prionen.
Die britische Regierung reagierte erst sehr spät und veranlasste die Notschlachtung und Verbrennung von Herden mit erkrankten Tieren. Von 1996 bis 1999 bestand in der EU ein Exportverbot für britische Rinder, Rindfleisch und Tiermehl. Im eigenen Land wurde der Verkauf von Rindfleisch mit Knochen sowie von Nervengewebe haltigen Produkten aus Rindern verboten, nachdem bekannt wurde, dass dieses Material besonders infektiös ist.

2000
Bis November des Jahres 2000 verstarben in England 88 Menschen an der neuen Erkrankung und 5 in Frankreich. Die EU beschließt im April die Einführung eines BSE-Schnelltests, der ab Januar 2001 für Risikotiere im Alter von mehr als 30 Monaten verpflichtend ist. Ab dem 1. Januar 2001 müssen dann alle mehr als 30 Monate alten Tiere, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, getestet werden. In der Bundesrepublik Deutschland wurden diese Tests per Rechtsverordnung ab dem 6. Dez. verpflichtend. Seit September 2000 ist außerdem eine neue EU-weite Kennzeichnungspflicht für Rindfleisch in Kraft, an der die Verbraucher erkennen können sollen, wo ein Tier geschlachtet wurde.
Seit Oktober 2000 müssen Hirn, Schädel, Augen und Milz von Rindern nach der Schlachtung vernichtet werden, damit diese Gewebe, die potentiell die höchste Konzentration der Erreger enthalten, nicht in die Nahrungskette gelangen können.
Am 26. November wird in Deutschland der erste Fall von BSE bei einem in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Rind diagnostiziert. Die Bundesregierung beschließt daraufhin, eine Rechtsverordnung zum Verbot der Verfütterung von Tiermehl zu erlassen. Sie entscheidet sich aber aus juristischen Gründen dafür, diesen Sachverhalt als Gesetz zu verabschieden. Dieses Gesetz hatte die kürzeste Laufzeit in der Geschichte der BRD: Die erste Gesetzesvorlage lag am 28.11.00 vor, am 30.11.00 wurde das Gesetz vom Deutschen Bundestag beschlossen, am 1.12.00 gab der Bundesrat seine Zustimmung und am 2.12.00 trat es in Kraft.
Es sei erwähnt, dass die Verfütterung von Tiermehl an Wiederkäuer EU-weit bereits seit 1994 verboten ist. Seit dem 1.Jan.2001 ist die Verfütterung von Tiermehl an alle Tiere EU-weit vorerst für ein halbes Jahr untersagt.

2001
Ende 2000 bzw. Anfang 2001 wurde die Präsidentin des Bundesrechnungshofs vom Bundeskanzler bzw. der Bundesregierung zu einer Art BSE-Beauftragten ernannt. Sie soll für eine Analyse der derzeitigen sehr verschieden gelagerten Kompetenzen sorgen, sowie Schwachstellen, z. B. bei der Zusammenarbeit der Bundes-und Länderbehörden und anderer Institutionen aufzeigen, um zu einer noch effektiveren Bekämpfung von BSE kommen zu können. Im Bayerischen Wald in Bayern kommt es in den ersten Januartagen zu heftigen Protesten tausender Bauern gegen das Töten ganzer Rinderherden. Die betroffenen Bauern fühlen sich massiv in ihrer Existenz bedroht. Man schätzt, dass seit Bekanntwerden von BSE insgesamt ca. 800 000 infizerte Rinder in die menschliche Nahrungskette gelangt sind. Mitte Januar 2001 forderte der Rinderwahn auch erste Opfer in der Politik: die Minster für Gesundheit und Landwirtschaft traten zurück. Die neue Landwirtschaftsministerin versprach, in Übereinstimmung mit dem Bundeskanzler, eine Neuorientierung in der Landwirtschaftspolitik.

(Quelle: Medizine Worldwide)

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