Gesund
durch richtige Ernährung von
Dr.
M. O. Bruker
Dr. M. O. Bruker (1909-2001)
Jahrgang 1909
Arzt für Innere Medizin
60 Jahre ärztlich tätig, 45 Jahre als Leiter biologischer
Krankenhäuser |
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Gesundheit | Krankheitsursachen
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| Tips/Frischkornbrei
Pflanzliches Eiweiß ist vollwertig
Die alte Ernährungslehre trägt die Schuld an noch weiteren
Gesundheitsschäden. Denn sie stellte die These auf, der Mensch
könne ohne tierisches Eiweiß nicht leben. Diese Irrlehre beruht
auf den veralteten und längst widerlegten Vorstellungen, daß
die pflanzlichen Lebensmittel nicht vollwertig seien, weil
sie angeblich nicht alle lebensnotwendigen Aminosäuren enthalten.
Eiweiße bestehen aus Aminosäuren
Man bezeichnet Eiweiß als vollwertig, wenn es alle notwenigen
(essentiellen) Aminosäuren enthält. Die Zusammensetzung der
Eiweiße aus den verschiedenen Aminosäuren ist aber bei den
einzelnen eiweißhaltigen Lebensmitteln sehr unterschiedlich.
Da man jedoch nicht nur von einem Lebensmittel lebt, ergänzen
sich die einzelnen Aminosäuren in hervorragender Weise. Besonders
die Kombination von Getreideeiweiß mit Gemüseeiweiß hat sich
bewährt. Sie garantiert eine ausreichende Eiweißversorgung.
Voraussetzung ist allerdings, daß ein bestimmter Anteil in
roher Form genossen wird. Obwohl schon lange durch gründliche
chemische Untersuchungen die Vollwertigkeit pflanzlichen Eiweißes
erwiesen ist, wird immer noch die gegenteilige Behauptung
verbreitet. Dies erklärt sich mit der bekannten Tatsache,
daß es mehr als ein Menschenalter braucht, bis sich neue Erkenntnisse
gegen eine frühere falsche Lehre durchgesetzt haben. Man muß
also festhalten, daß pflanzliches Eiweiß genauso vollwertig
wie tierisches ist.
Tierisches Eiweiß ist unnötig
Heute essen die Menschen in der Bundesrepublik achtmal mehr
Fleisch als vor hundert Jahren. Im Jahr 1890 betrug der jährliche
Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch noch 12 Kilogramm, im Jahre
1980 aber bereits 90 Kilogramm. Diese Eiweißüberfütterung
trägt eine wesentliche Mitschuld an der starken Zunahme der
Erkrankungen der Bewegungsorgane. In der Bundesrepublik werden
heute mehr als 20 Millionen Rheumakranke gezählt. Rheuma ist
damit zu einer Volksseuche geworden. Auch für die Zunahme
der allergischen Erkrankungen ist der zu hohe Verzehr von
Fleisch, Fisch und Wurst verantwortlich. Ebenfalls ist die
Infektanfälligkeit durch den Verzicht auf tierisches Eiweiß
zu beheben. Die Milch ist dabei an erster Stelle zu nennen.
Erhitztes Eiweiß verliert an Wert
Wir verdanken vor allem den epochemachenden Forschungen Prof.
Kollaths die wichtige Erkenntnis, daß Eiweiß durch Erhitzung
seine natürliche Beschaffenheit verliert. Es wird "denaturiert".
Es muß daher täglich auch etwas unerhitztes (natives) Eiweiß
gegessen werden. Dies geschieht am besten durch den Frischkostanteil.
Ein Blick in das Tierreich zeigt die interessante Tatsache,
daß alle im Freien lebenden Tiere, seien es Fleisch- oder
Pflanzenfresser, ihre Nahrung unerhitzt zu sich nehmen und
daß sie zugrundegehen, wenn sie mit erhitzter Nahrung gefüttert
werden. Früher hat man geglaubt, daß dies darauf beruht, daß
durch Erhitzung die Vitamine zerstört werden. Seit den Forschungen
Kollaths weiß man aber, daß der Grund in der Denaturierung
des Eiweißes liegt.
Der Mensch ist von Haus aus nicht geschaffen, die Tiere roh
zu verzehren. Er brät und kocht das Fleisch, was aber infolge
der Denaturierung seinen Wert mindert. Die meisten halten
heute noch das Fleisch und überhaupt tierisches Eiweiß für
eine "kräftige" Nahrung. Zum tierischen Eiweiß rechnet außer
Fleisch auch Fisch, Wurst, Eier, Quark Milch und Käse.
Um genügend lebendiges, natürliches, sogenanntes natives
Eiweiß zu bekommen ist es nötig, täglich etwas Unerhitztes
aus dem Pflanzenreich, das heißt Gemüse, Obst und Getreide,
in roher Form zu essen. Dann braucht man sich um die Deckung
des Eiweißbedarfs überhaupt nicht zu kümmern. Wichtig ist
zu wissen, daß der Mensch sehr viel weniger Eiweiß braucht
als allgemein bisher angenommen wurde, nämlich nur etwa zwei
Prozent. Wenn man aber die Nahrung eines deutschen Bürgers
im Durchschnitt auf den Eiweißgehalt prüft, so kommt man in
nicht wenigen Fällen auf das Mehrfache des notwendigen. Ein
einfacher Maßstab für die benötigte Eiweißmenge ist die Muttermilch.
Sie ist so zusammengesetzt, daß der Säugling in weniger als
einem Jahr sein Gewicht verdoppelt. Dies ist ein sicheres
Zeichen, daß die Muttermilch ein vollendetes Lebensmittel
ist und alles enthält, was zum Wachstum und zur Entfaltung
nötig ist. Die Muttermilch enthält aber nur ca. zwei Prozent
Eiweiß. Man kann daher mit Recht annehmen, daß ein fertiger
Erwachsener, der nicht mehr wächst und nur noch einen Erhaltungsstoffwechsel
hat, mit weniger als zwei Prozent Eiweiß auskommt. Es darf
allerdings nicht durch Erhitzung denaturiert sein und muß
deshalb aus dem Pflanzenreich stammen. Die pasteurisierte
Milch, die zur Abtötung von Bakterien kurz auf 70 bis 80°C
erhitzt wird, hat daher nicht mehr den vollen Wert wie Rohmilch.
Die heute weit verbreitete H-Milch wird auf 150°C erhitzt.
Sie ist nicht nur denaturiert, sondern es kommt auch zu einem
erheblichen Vitaminverlust, so daß von ihrem Gebrauch dringend
abzuraten ist. Sie ist genauso gesundheitsschädlich wie Fabriknahrungsmittel.
Durst bestimmt die Trinkmenge
Wie die Eßmenge durch den Hunger, so wird die Trinkmenge
durch den Durst bestimmt. Diese Vorgänge sind wunderbar durch
den Instinkt geregelt. Man tut also gut daran, nur soviel
zu trinken wie Durst vorhanden ist. In letzter Zeit wird allenthalben
der falsche Rat gegeben, möglichst täglich zwei bis drei Liter
Flüssigkeit zu sich nehmen. Dieser Rat bringt nur Nachteile.
Mit der Nahrung, die ja zu 70-80 Prozent aus Flüssigkeit besteht,
nimmt der Mensch bereits eineinhalb bis zwei Liter zu sich.
Eine zusätzliche Menge, die ohne Durst getrunken wird, ist
eine Belastung für die Niere, das Herz, den Kreislauf und
die Leber. Die Niere ist kein Sieb, durch das die Flüssigkeit
einfach durchläuft; man kann deshalb die Niere nicht, wie
gesagt wird, "durchspülen". Jedes Tröpfchen muß von der Niere
durch aktive Arbeit ausgeschieden werden. Bei Nierensteinen
führt vieles Trinken zu einer Verdünnung der sogenannten Schutzkolloide,
welche die Bildung von Nierensteinen verhüten.
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