Gesund
durch richtige Ernährung von
Dr.
M. O. Bruker
Dr. M. O. Bruker (1909-2001)
Jahrgang 1909
Arzt für Innere Medizin
60 Jahre ärztlich tätig, 45 Jahre als Leiter biologischer
Krankenhäuser |
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Fett macht nicht fett (Fett)
Solange aufgrund der alten Ernährungslehre nicht erkannt
war, daß die Krankheiten durch chronischen Mangel an Vitalstoffen
(infolge fabrikatorischer Verarbeitung der Lebensmittel) entstehen,
nahm man irrtümlich an, die Zivilisationskrankheiten entstünden
durch zuviel Fett und zu fettes Essen. Deshalb wird z.B. den
Übergewichtigen immer noch vorgeredet, sie seien zu dick,
weil sie zu viel und und zu fett äßen. In Wirklichkeit ist
die Fettsucht eine Stoffwechselkrankheit, die dadurch entsteht,
daß statt natürlicher Lebensmittel in der Fabrik hergestellte
Nährstoffe gegessen werden.
Neben den Auszugsmehlen und den Fabrikzuckerarten spielen
hier "tote" Fette wie Margarinen und raffinierte Öle eine
Rolle. Wenn man weiß, daß man die große Menge von 3 1/2 Pfund
Zuckerrüben essen müßte, um 100 Gramm Zucker zu bekommen,
wird verständlich, daß man mit solchen konzentrierten Nährstoffen,
die in der Natur nicht vorkommen, Fettsucht erzeugen kann,
ohne daß man große Mengen ißt. Die 100 Gramm Fabrikzucker
können unsichtbar und unmerklich in den Speisen "versteckt"
werden. Natürliche Lebensmittel kann aber auch der Dicke in
unbegrenzter Menge verzehren, da die einzelnen Nährstoffe
nie in konzentrierter Menge enthalten und zugleich alle Vitalstoffe
vorhanden sind, die für eine ungestörte Verarbeitung im Organismus
benötigt werden. Es ist auch sehr wichtig zu wissen, daß das
überschüssige Fett beim zu Dicken nicht aus dem Fett stammt,
das er gegessen hat. Der Mensch hat ja einen Stoffwechsel,
in dem die Nahrung verändert und abgebaut wird. Aus Fett wird
genausowenig Fett wie Spinat im Körper zu Spinat wird. Ein
Haarloser kann seine Glatze nicht durch Essen von Haaren beseitigen,
weil eben die Kopfhaare ebensowenig aus Haaren entstehen wie
Körperfett aus dem in der Nahrung zugeführten Fett.
Der Ratschlag, daß der zu Dicke wenig Fett essen soll, ist
falsch. Er muß, was den Fettanteil betrifft, genügend naturbelassene
Fette essen, da nur sie ausreichend fettlösliche Vitamine
und ungesättigte Fettsäuren enthalten, die für den reibungslosen
Abbau des gegessenen Fettes zu den Endprodukten Kohlensäure
und Wasser notwendig sind. In der Behandlung der Fettsucht
ist daher der Verzehr naturbelassener Fette wichtig, d.h.
von Butter und kaltgeschlagenen Ölen. Die durch Raffination
gewonnenen Fette, wie die üblichen Handelsöle, Magarinen und
Kunstfette, müssen streng gemieden werden.
Kein Infarkt durch cholesterinhaltiges Fett
Was für die Fettsucht als Beispiel gilt, gilt grundsätzlich
auch für die Verhütung und Behandlung der anderen ernährungsbedingten
Zivilisationskrankheiten, besonders für den Herzinfarkt. Er
kommt nicht, wie man früher irrtümlich annahm (sogenannte
Fett-Theorie), durch den Verzehr cholesterinhaltiger Nahrungsmittel
zustande. Cholesterin ist im Gegenteil ein so lebensnotwendiger
Stoff, daß der Organismus ihn selbst herstellt. Der Mensch
ist also auf die Zufuhr von Cholesterin durch die Nahrung
gar nicht angewiesen. Wird aber durch die Nahrung viel Cholesterin
zugeführt, erzeugt der Körper selbst eben weniger. Die krankhafte
Ablagerung von Cholesterin bei der Arteriosklerose und dem
Herzinfarkt hat genausowenig mit dem Cholesteringehalt der
Nahrung zu tun wie etwa eine krankhafte Kalkablagerung im
Gewebe mit dem Kalkgehalt der Nahrung. Die krankhaften Ablagerungen
sind die Folge von chronischem Vitalstoffmangel durch den
Verzehr von Fabriknahrungsmitteln und von zu hohem Verzehr
von tierischem Eiweiß.
Wollte man aus Unkenntnis trotzdem Nahrungsmittel meiden,
die das lebenswichtige Cholesterin enthalten, so könnte dieser
Zweck nicht durch Vermeidung von Butter erreicht werden, da
mit Fleisch und Eiern weit mehr Cholesterin zugeführt wird
als mit Butter, denn von ihr ißt man wesentlich kleinere Mengen
als von Fleisch.
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